Samstag, 6. Juli 2013

Wie ich reise

Ich habe es satt, dass man mir ständig sagt, ich hake Dinge auf meiner Liste an Sehenswürdigkeiten ab, eile von Attraktion zu Attraktion, nur um alles abzuklappern, was in meinem Reiseführer steht. Ich genieße die Stadt angeblich nicht, lasse mich nicht von ihr treiben. So ein ausgemachter Blödsinn!

Ja, ich reise meist allein. Aus gutem Grund. Und ja, ich habe gewisse Eigenheiten auf Reisen. Es gibt Dinge, die mich gar nicht interessieren (einkaufen/shoppen z.B.) und es gibt Dinge, für die ich mich ungeheuer begeistern kann (Architektur oder bauhistorische Sehenswürdigkeiten z.B.). Das ist einerseits durch meine Eltern und deren Erziehung bedingt (Historikerin als Mutter) und andererseits durch meine Ausbildung (HTL für Bautechnik).
Während andere durch die Stadt spazieren, mit den Augen in den Schaufenstern, habe ich meinen Kopf oben und übersehe dabei das ABC der Haute Couture oder Schnäppchen, die man so bei uns nicht bekommt. Dafür sehe ich Statuen, Dachziegel, Streben, Wasserspeier,... und amüsiere mich über deren Gesichtsausdruck, male mir aus, was sie sich wohl denken, wenn so viele Menschen tagein tagaus an ihnen vorüber spazieren oder lese nach, wie alt sie sind und bin begeistert ob ihrer noch immer erkennbaren Schönheit, oder entsetzt ob der noch immer nicht erfolgten, aber dringend notwendigen Restaurierung.

Aber ich sitze auch zwei Stunden am Markusplatz, esse ein Sandwich und beobachte Touristen. Oder wate durchs Aqua Alta und lache mit anderen, die darin spielen. Ich brauche eineinhalb Stunden, um die Karlsbrücke zu überqueren und noch länger für die Engelsbrücke, kann zwei Stunden lang Segelbooten auf der Alster zusehen, einen halben Tag von Arthur's Seat aus das mir zu Füßen liegende Edinburgh inhalieren oder in Rosslyn Chapel stehen und staunen. Ganz zu schweigen davon, wie viel Zeit ich auf Friedhöfen totschlagen (!) kann...

Ich lese meinen Reiseführer im Vorhinein, mache mir einen Plan, welche Strecken ich abgehe und zeichne mir die (für mich!!) wichtigen Dinge in Plan und Buch an. Aber ich halte mich nicht strikt daran. Manchmal, weil ich mich verlaufe (den Straßenplan Venedigs habe ich nach dem ersten Tag weg geworfen) und manchmal, weil ich etwas Spannenderes finde und abbiege. Ich bereite mich vor, weil ich nun mal gerne weiß, wohin ich fahre und was mich dort erwartet bzw. was ich dort erwarten kann. Ich möchte nicht in einer Stadt gewesen sein und dann drauf kommen, dass ich die "wichtigsten Sehenswürdigkeiten" verpasst habe oder noch schlimmer, gar nicht drauf kommen, wo ich da war. Beispiel: ein junger Amerikaner war in Venedig, ich fragte ihn, als er zurück kam, wie ihm der Markusdom gefallen hat und seine Antwort war ein fragendes: "Was war das noch gleich?" Und nein, es sind nicht nur Amerikaner so. Ich hab ähnliches schon bei europäischen Nordlichtern und Südländern erlebt...
Ja, vielleicht verpasse ich dadurch etwas, das andere sehen und erleben, aber meine Prioritäten sind nun mal nicht eure. Na und?! Genau deshalb reise ich meist alleine. Ich zwinge meine Reise-Macken niemandem auf, also let me be... 


Webalbum meiner Reisen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen