Sonntag, 23. August 2015

Alto Adige Teil1 - Wie der Bär die Dolomiten kennen lernt

Irgendwann dachte ich mir mal "Alle schwärmen von Südtirol - vielleicht solltest du das auch sehen". Gedacht, gesucht, gebucht. Eine Woche Südtirol und Trentino. Nachdem ich aus jeder Urlaubsvorbereitung eine Wissenschaft mache, folgte eine wochenlange Planung, wann ich wo was ansehen würde, wie ich mit dem Auto wohin käme, wo kann man parken, welches Hotel bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis inklusive Rittencard an, usw...
[Anmerkung am Rande: die Damen und Herren der Touristeninfo von Südtirol sind flott, freundlich, verlässlich und top-informiert!]
Perfekt vorbereitet ins Auto gesetzt und los gefahren. Das erste Mal alleine mit dem Auto ins "Ausland". Fast 40 hab ich dafür werden müssen. Bissl nervös war ich schon. Aber alle haben mir versichert, dort spricht jeder Deutsch. Eh, nur zuerst haben mich mal alle auf Italienisch angesprochen... Egal. Nach langer Fahrt, inklusive Schneetreiben am Brenner (warum zahl ich davor eigentlich die Asfinag, wenn ich ohnehin eine Vignette habe?!), einem verrückt gewordenen Navi, das mich ständig über Feldwege ("Via Superduper") schicken wollte und einem höchst anstrengenden Serpentinenweg auf den Ritten (immerhin hatte ich 7Std Fahrt hinter mir), war ich endlich da. Anfangs fand ich das Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, nicht so aufregend. Die Lage war zwar nett, aber ich hatte das Gefühl, ich wurde nicht ausreichend freundlich begrüßt. Später sollte ich merken, dass das der herbe Südtiroler Charme ist. Man gewöhnt sich dran und findet ihn irgendwann nett. Immerhin hab ich einen Begrüßungskaffee bekommen.
Mein Zimmer war aber recht niedlich. Sehr klein, Waschbecken im Zimmer selber, weil das Bad von Dusche und Klo eingenommen wurde, aber mit Terrasse. Ich vermutete, dass der Ausblick wohl ein schöner würde, wenn sich die Wolken verzögen. Saukalt war's. Und genieselt hat es. 

However, am nächsten Morgen aufgewacht, auf den Balkon gegangen und... Boah!! Keine Wolken, aber Berge! Aber sowas von Bergen! Beeindruckt zum Frühstück gewandert und den Hotel-Chef (sollte in späterer Folge "Drillsergeant" heißen) gleich als erstes gefragt, ob das da, was da von meinem Balkon aus zu sehen sei, ob das echt die Dolomiten wären. Mit einem recht merkwürdigen Blick: "Selbstverständlich. Was sonst." Ja... eh... was sonst. Keine Ahnung, was sonst! Ich komm aus dem Flachland und hab nur gelesen, dass die Dolomiten da irgendwo seien. Wer konnte denn ahnen, dass sie direkt vor meinem Balkon sind! Das Spitzerl links ist übrigens der Schlern, für die Auskenner unter euch.


Frühstück. Ich mag Frühstück. Es gab eigentlich eh alles. Außer Speck. Hätte ich auf Anfrage bekommen, hab mich aber nicht getraut. Ich gebe zu, die Südtiroler verunsichern mich ein bisserl. Aber ein "weiches Eierle" hab ich bekommen. Jeden Morgen. 
Dann noch ein paar Zigaretten am Balkon und die Dolomiten anstarren. Am Balkon sollte ich noch viel Zeit verbringen.
Irgendwann hab ich mich los gerissen und den Drillsergeant befragt, wie ich am besten nach Bozen komme (in Wirklichkeit hatte ich alles schon online gecheckt, ich wollte nur sicher gehen, dass die Online-Version der Wirklichkeit entspricht). Die Kurzversion: mit der Rittner Schmalspurbahn, die 300m unterm Haus hält, nach Oberbozen, und von dort mit der Seilbahn runter nach Bozen.
Die Langversion beinhaltet die Geschichte der Rittner Bahn inklusive sämtlicher Haltestellen (früherer und jetziger), des Drillsergeant Rolle in der Geschichte der Bahn, seine Familienchronik, die Rolle der Seilbahn im Alltagsleben der Rittner Bewohner, die geographischen Begebenheiten des Ritten und seiner Umgebung, die Abfahrt- und Ankunftszeiten der Bahn und Seilbahn und den Hinweis, dass immer alles pünktlich sei (Ja, hab ich bemerkt, als ich abends mal unfreiwillig heim spaziert bin, weil ich die Bahn um eine Minute verpasst hatte). Der geneigte Leser wird vermuten, welche der beiden Versionen ich zu hören bekam. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er mich nochmal alles abgeprüft hätte...

Obwohl es mir echt schwer viel, den Blick von den Dolomiten zu nehmen, hab ich mich dann doch irgendwann mal zusammen gepackt und die 300 "Höhenmeter" (so kam es mir jedenfalls vor) hinunter zur Rittner Schmalspurbahn gerollt, um nach Bozen zu gelangen. 

Teil2 - Bozen
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PS: Ich meine tatsächlich "wie" der Bär die Dolomiten kennen lernt. Also kein blödes Grammatik-Gehabe!

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