Sonntag, 23. August 2015

Alto Adige Teil2 - Nicht nur Ötzi war kalt...

Samstags war Anreise. Sonntags wollte ich nach Bozen. Des Drillsergeant Reaktion darauf: "Was wilscht denn am Sonntag in Bozen, da isch jo kana." Naja... schlecht?!

Mit der Rittner Schmalspurbahn nach Oberbozen getuckert, dort die Rittnercard entwertet und prompt war sie kaputt. Sollte aber kein großes Problem für den Rest des Tages werden; überall wo ich sie gebraucht habe, hat man mich dennoch durch gelassen und nur gemeint, ich solle mir eine neue besorgen.



In die Seilbahn gesetzt und runter ging's. Ich bin ja keine Skifahrerin (das letzte Mal vor mehr als 20 Jahren in der Schule) und auch keine Bergsteigerin (wobei die ja "steigen" und nicht "Seilbahn fahren" - zumindest in den meisten Fällen), daher hab ich's nicht so mit Seilbahnen. Ich muss sagen, das ist schon sehr cool. Auch nach einer Woche noch. Ich musste sie ja täglich 2x nehmen. Wie ein Schulkind (weiß ich vom Drillsergeant). Und, auch wenn man gegen Ende der Woche die neuen Touristen etwas belächelt, wenn sie so aufgeregt in die Kabine steigen, wie ich am ersten Tag, ein spannendes Gefühl bleibt es dennoch. Der Wind ging ziemlich stark, bei jedem Pfeiler ist die Gondel ein wenig gehüpft und hat im Wind geschaukelt. 12 Minuten dauert so eine Fahrt von Oberbozen nach Bozen. 

Unten angekommen, kurz auf den Stadtplan geblickt und los gegangen. Auf dem Plan standen die Laubengänge, der Dom und der Waltherplatz, mindestens noch ein weitere Kirche mit Kreuzgang, ein paar gotische Häuser (davon gab's ohnehin nur fünf, sollte ich später sehen), eventuell ein Kloster (mit Kreuzgang) und *nur kurz* das Ötzi-Museum. Wenn ich schon dort bin, sollte ich ihn gesehen haben auch. Aber bloß nicht zu viel Zeit drin verschwenden.

Nun war die Sache diese, es hat die Sonne geschienen und es war saumäßig bitterkalt. Anfang April war's und ich bin ja - von mir aus gesehen - in den Süden gefahren. Also fast bis nach Italien. Da isses doch wärmer als bei mir, dachte ich (in meinem kleinen, rosa Hirn). Klar hab ich die Wetterlage gecheckt, aber ehrlicherweise kann ich nicht sagen, wie sich 20°C bei Wind anfühlen. Ich hatte ja schon einiges zum Anziehen mit (deshalb auch die Wahl mit dem Auto), aber das Fiese dort in den Bergen ist: oben isses anders als unten. Womit ich nicht gerechnet hatte, war: auf meinem Balkon (*oben* am Ritten) war's unverhältnismäßig wärmer als *unten* in Bozen. Ich hab an dem Tag zu wenig angezogen und gezittert wie Espenlaub.


Also hab ich mich, nachdem ich die Laubengänge begutachtet hatte und nicht verstanden habe, warum die halbe Welt (also meine zwei Reiseführer) aufgrund dessen so durchdrehen, es sind Arkadengänge mit Geschäften drin, sowas gibt's in Krems auch, aber ok... also hab ich mich, nachdem ich eh grad dort war, ins Ötzi-Museum getrollt, zuvor noch mit dem Plan (ich liebe Pläne), mich dort nur aufzuwärmen und dann weiter zu gehen. Im Endeffekt hab ich sehr viele Stunden im Museum verbracht. Ich wollte einfach nicht mehr raus. Mir war zu kalt. Interessant war es auch. Und ich hab Ötzi gesehen. Durch das kleine Loch in seinem Tiefkühlschrank. 

Irgendwann hab ich mich wieder raus getraut, aber nicht, ohne vorher nach dem WLAN-Passwort der Stadt zu fragen. Sowas ist wichtig. Und die Stadt hatte Hotspots. Obwohl's dann wurscht war, weil ich das Handy ohnehin nur im Hotel in der Hand hatte... Irgendwann bin ich also wieder hinaus und flotten Schrittes durch die Stadt gewandert. Ins Franziskanerkloster z.B., das einen hübschen Kreuzgang hat (nicht so hübsch, wie Brixen, aber das wusste ich da noch nicht) Überhaupt ist Südtirol voll von Kreuzgängen und Fresken. Das besteht praktisch aus Kreuzgängen und Fresken. Und Burgen. Die auch Schlösser sein können, weil die da keinen Unterschied machen. In unserem Verständnis sind es Burgen. Und Bergen. Bergen, auf denen Burgen stehen, die Kreuzgänge haben, die mit Fresken geschmückt sind. Das ist Südtirol.
Ich hab die einzigen fünf gotischen Häuser entdeckt, bin dreimal ums Schloss Maretsch, auf der Suche nach einem Eingang, durch Zufall (weil ich mich verlaufen habe) in der Herz Jesu Kirche (Neuromanisch) gelandet, die ein bisschen ans Sacre Coeur in Paris erinnert, bin am Waltherplatz gestanden und hab mich gefragt, warum um den so viel Aufhebens gemacht wird und war verwundert, dass das kleine Kircherl am anderen Ende des Platzes, *Dom* genannt wird. Gotisch und nicht mal besonders schön. Die Turmspitze ist ein bisschen anders, als andere gotische Turmspitzen, aber das war's dann auch schon. "Romanisch-Gotisches Kleinod" wird sie in manchen Führern genannt... sorry, Leute, Romanik war einmal, davon ist so gut wie nichts mehr zu sehen, nachdem sie gotisiert wurde (so wie leider bei uns viele Kirchen barockisiert wurden). Vergleiche mit Notre Dame werden angestellt - ja, ist beides gotisch. Mehr gibt es aber nicht zu vergleichen. Aber hey, guess what, es gibt Freskenmalereien!



Nachdem ich beschlossen hatte, nicht in der sonnigen Kälte des Waltherplatzes einen wahrscheinlich überteuerten Kaffee zu trinken und auch sonst schon dreimal planlos durch dieselben Gassen gelaufen bin, außerdem langsam ein steifes Genick bekommen habe, weil ich den Kopf ständig oben hatte (die blöden Fresken sind ja alle nicht auf Augenhöhe), hab ich mir gesagt "Let's call it a day" und bin zurück Richtung Seilbahn, Rittner Bahn, um dann müde die 300 Höhenmeter zum Hotel hinauf zu schnaufen (der Drillsergeant bemerkte messerscharf angesichts meiner Schnauberei, dass ich aus dem Flachland stamme). Dort angekommen musste ich erst mal eine Stunde unter der heißen Dusche verbringen. Danach hab ich mir ein paar Gläser Wein, hausgemachte Südtiroler Schlutzkrapfen und ein Schokomousse gegönnt. Es war ja Ostersonntag. Was ich frühmorgens übrigens total vergessen hatte und als Einzige in den vollen Frühstücksraum im Jogginganzug gekommen bin... 

Südtirol wollte mich aber noch nicht aufgeben und hat als Betthupferl seinen Vollmond über den Dolomiten aufgehen lassen... 

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