Mittwoch, 26. August 2015

Alto Adige Teil3 - Erst ein Tag und ich muss schon auf Kur

Meran war für Ostermontag angedacht. Da sollte das Haflinger Galopprennen, mit vorheriger Parade durch die Stadt stattfinden. So um ca. 10:00 Uhr. Keine Frage, zu der Zeit hab ich es natürlich nicht hin geschafft. Na und, schließlich war ich auf Urlaub, ich durfte trödeln (der Drillsergeant sah das übrigens ganz anders). 

Wie immer: Rittner Bahn, Seilbahn und mit der normalen Bahn nach Meran (In der gab's übrigens funktionierendes WLAN, liebe ÖBB...). Dort war vor dem Bahnhof ein Markt, den ich aber ignoriert habe (weil ich ohnehin schon so spät dran war) und bin gleich Richtung Stadt mit ihren - Trommelwirbel - Laubengängen!
Meran ist ein Kurort, den Kaiserin Sisi schon besucht hat. Leider war es an dem Tag sehr windig, fast schon stürmisch, die Promenaden an der Etsch sind mit Schotter ausgelegt, was im Wind nicht sehr einladen ausgesehen hat. Überall der Staub vom Schotter. Was man leider auch noch anmerken muss: das Kurhaus Meran, Jugendstil, steht der Therme Meran gegenüber und das ist wohl eines der hässlichsten Gebäude, die man sich vorstellen kann. Warum sie das nicht schöner gemacht haben, ist mir unverständlich. 



However. Laubengänge. Hatten wir schon. Natürlich sieht's hübsch aus. Vor allem, wenn an beiden Enden Berge sichtbar sind. Und lang sind sie auch.
Die Landesfürstliche Burg Meran (15.Jhdt) war geschlossen, hinein wollte ich aber ohnehin nicht. Der kleine Eingang hat mich allerdings fasziniert. Praktisch daneben ist der Sessellift, der zum Dorf Tirol führt. Es war Mittag und es waren so gut wie keine Menschen dort. Das Dorf mit Schloss Tirol stand an diesem Tag auch noch am Plan, aber erst nachdem ich Meran erkundet hatte. Also nur kurz die Preise gecheckt und weiter gezogen. Durch die Laubengänge direkt auf den Dom zu. Spätgotisch. (Und nicht die Größe eines Doms, btw). Gleich anschließend ist die Barbarakapelle, die ein sehr hübsches Sternrippengewölbe hat. Und dahinter beginnt das wirklich interessante Meran. Denn dort wird's alt. Es geht bergauf, ein paar kleine Gasserl entlang und man steht vor dem Passeier Tor. Eines der drei noch erhaltenen Stadttore inklusive Reste der Stadtmauer. Gleich daneben steht das "Hohes Haus" (mit der Suche nach dem Namen dieses Hauses, hab ich die Touristeninfos Südtirol und Meran ins Schwitzen gebracht - aber sie haben's raus gefunden :-) ), das jetzt in Privatbesitz und wirklich hübsch ist. Davor geht man durch ein kleines Tor neben der Santer Klause (ehemalige Salzstraße führte hier entlang).


Geht man durchs Passeier Tor und biegt gleich links ab, kann man den Berg hinauf zum
Pulverturm gehen, von dem man eine wunderschöne Aussicht auf Meran und das Etschtal hat. Hinterm Tor führt die Römerbrücke über die Etsch und man könnte (wenn man, in meinem Fall, staubig werden wollte) eine Promenade an der Etsch entlang gehen und sich ein bissi wie Sisi fühlen. Wollt ich aber nicht. Ich bin durch die Altstadt zurück zum Sessellift, um ins Dorf Tirol zu kommen, nur, um dort eine unglaublich lange Schlange von Menschen anzutreffen, die offensichtlich dasselbe vor hatten. Also hab ich es gelassen und hab mir am Bahnhof einen Bus gesucht. 

Im Bus hat mich ein älteres Paar angesprochen, die mir dann gesagt haben, der Weg zum Schloss Tirol (wo ich ja hin wollte), wäre ein sehr langer vom Dorf Tirol und das schaffte ich sicher nicht, bevor die zusperrten. Challenge accepted.
Gut, wenn man mit Steckerl gemütlich unterwegs ist, ist der Weg sicher lang. Auch, wenn ich keine flotte Geherin bin, wirklich lang isses nicht. Und von jeder Kurve so eine schöne Aussicht auf das Etschtal, auf Meran und das Schloss Tirol.
Angekommen, hatte ich noch genau eine Stunde, um das Schloss zu besichtigen. Es ist auch Landesmuseum und hat Ausstellungen über die Geschichte Tirols mit Margarete Maultasch (und mehr) über sechs (!) Stockwerke. Aber ehrlicherweise, die haben mich nicht interessiert. Warum ich es sehen wollte, waren - neben der Aussicht und weil man es gesehen haben muss - die Krypta, die Kapellen und v.a. die beiden romanischen Portale. Wow! Ich muss gestehen, ich bin durch die Burg gerast, um die meiste Zeit vor den Portalen zu verbringen. Also eigentlich zwischen den Kapellen und den Portalen. 

Dann draußen noch ein bisschen die Aussicht genießen (Berge sind echt was Schönes) und zurück ins Dorf Tirol - das man übrigens getrost links liegen lassen kann - und gerade rechtzeitig zum Bus gekommen. Wieder war das alte Ehepaar da, die ihre Steckerl eingepackt haben und überrascht waren, dass ich es doch rechtzeitig ins Schloss geschafft hatte. Aber ich konnte unmöglich genug Zeit gehabt haben, um mir die Ausstellung anzusehen. Hatte ich auch nicht, erklärte ich ihnen, weil ich hauptsächlich wegen der romanischen Portale dort war. Der Mann konnte es nicht fassen und hat seiner Frau dann möglichst laut erklärt, dass man doch nichts gesehen haben könne, wenn man die Ausstellung nicht besucht. Und eigentlich keine Ahnung von Geschichte haben könne. Weil ich meinen Mund nicht halten kann, hab ich ihm dann ebenso laut erklärt, dass ich über die Maultasch genug gelesen hatte und ob er überhaupt wüsste, wie schön Romanik sei.
Sie haben sich dann woanders hingesetzt. Lächelnd. Aber trotzdem weg. Pffff!


Dem Drillsergeant bin ich Abends ausgewichen, um mich nicht wieder rechtfertigen zu müssen, warum ich mir die Ausstellung nicht angesehen habe, aber er hat mir trotzdem sehr gute Spaghetti Carbonara gemacht. Mit dem Eidotter zum Schluss oben drauf. Weil "so g'hört desch!"

Teil4 - Runkelstein
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