Samstag, 22. August 2015

Berlin - die Stadt, die einen Bären einmauert

Ich war letztes Jahr ein paar Tage in Berlin. Der, ach so coolen Stadt Berlin. (Siehe Bärlin, ich komme!Ich wollte der ganzen Sache wirklich eine Chance geben, obwohl ich mir sicher war, dass mir Berlin nicht gefallen würde. Und leider hat sich das bewahrheitet. Ja, sorry. Steinigt mich. Mir gefällt Berlin nicht. Das Lebensgefühl, die unendlichen Möglichkeiten zu brunchen, die künstlerischen Weirdos, die Nachtclubs, ... das mag ja alles cool sein, aber das ist nicht, wonach ich bei einem Städtetrip suche. Oder mich generell interessiert, wenn ich verreise. Ich mag Architektur, historische Eindrücke, geschichtliche Hintergründe. Gehen wir darauf nicht weiter ein, jedem seinen Geschmack. Das ist eben meiner. 

Berlin hat keine Sehenswürdigkeiten (in dem Sinne, wie ich sie suche). Wie auch, wurde ja komplett zerstört im zweiten Weltkrieg und dann kam die Mauer. Und - sind wir ehrlich - das ist - neben den "coolen" Menschen - wovon Berlin jetzt zehrt. Seine touristische Geschichte reicht bis zum zweiten Weltkrieg, von davor gibt es nichts mehr. Hat durchaus seine Berechtigung, ist aber eben nicht meins (genug gerechtfertigt!). Berlin versucht das Beste daraus zu machen, scheitert aber - imho - in vielen Fällen daran. Aus einigen Dingen könnte man mehr machen. Nehmen wir z.B. die Mauer bzw. East Side Gallery: Das letzte Stück erhaltene Mauer steht an einer sechs(!)spurigen Straße mit Grünstreifen in der Mitte (Friedrichshain). 
Bis auf die Oberbaumbrücke im Hintergrund, außerdem keine schöne Gegend. Eine Reduzierung der stark befahrenen Straße davor, wär schon mal ein Beginn. 


Durch die Stadt führen angeblich Plaketten, die darauf hinweisen, wo mal die Mauer gestanden ist. Rein zufällig hab ich eine gefunden am Potsdamer Platz
Die Aussicht vom Reichstag ist sicher toll. Die vom Fernsehturm wohl auch. Bei keinem der beiden hatte ich große Lust, anzustehen. Man kann die Karten auch online kaufen, dann ist man aber auf einen Tag und eine Uhrzeit angewiesen. Das mach ich nicht so gerne, weil ich zwar meine Tage plane, aber diese Pläne meist vor Ort komplett über den Haufen werfe. Demnach hab ich beides nur von außen gesehen. Irgendwie mochte ich den Fernsehturm. Grottenhässlich, aber von überall sichtbar - was ja beabsichtigt war. Damit wollten die DDR-Machthaber dem Westen zeigen, wie großartig sie sind. Dumm nur, dass bei einer gewissen Sonneneinstrahlung die verspiegelte Fläche ein Kreuz auf den Turm malt. Und das den Kommunisten!
Blöd gelaufen :-D

Und wenn wir schon im ehemaligen Osten sind: dort sind noch die schönsten Plätze zu finden, z.B. die Hackeschen Höfe. Gleich um die Ecke vom Fernsehturm. Jugendstil. Sehr nett. Und ein sehr winziges, aber sehr süßes Viertel findet man in der Nähe der Museumsinsel: das Nikolaiviertel. Die Museumsinsel, btw, sieht zwar toll aus, aber nicht vergessen, nix davon ist wirklich alt. Gleich gegenüber wird das Berliner Stadtschloss 2.0 "wieder" gebaut. 

Was haben wir noch: Kurfürstendamm mit KaDeWe. Einkaufsmeile eben mit dem Kaufhaus des Westens als erstes Kaufhaus, in dem es Westliches gab (wie der Name schon sagt). Nix aufregendes. Sorry. 

Die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche kann noch was. Bleibt so zerstört, wie sie ist, um zu mahnen. Apropos: Das Holocaust Mahnmal beim Brandenburger Tor ist bedrückend. Außer es rennen Horden von Schulklassen durch. Genauso bedrückend wie die Topographie des Terrors. Immens viel zu lesen und zu sehen, kaum durchzuhalten, aber bei Interesse sicherlich sehenswert. 
Das Brandenburger Tor, vor dem die Mauer verlief, ist auf der Parkseite noch halbwegs hübsch zugänglich, von der richtigen, von vorne also... naja. Ein riesiger Platz mit Banken rundum. Könnte man auch mehr draus machen. Eigentlich ist die ganze West-Seite eine einzige Baustelle. Die "Prachtmeile" vor dem Brandenburger Tor wird wieder hergerichtet, ich glaube, das Verkehrsnetz (das öffentliche) wird ausgebaut, daher stolpert man von einer Baugrube in die nächste. Aber dort findet man auch den Shop der Ampelmännchen. Etwas, woraus die Berliner etwas gemacht haben. Man wird von ihm überall in der Stadt verfolgt, wie auch von den Trabis aus dem Trabimuseum. Mit denen kann man eine Berlinfahrt buchen. Wen es interessiert. 

Natürlich war ich auch bei Checkpoint Charlie. Zweimal. Ich kann mich zwar an den Fall der Mauer erinnern, aber davor fehlt mir Erinnerung und damit wohl auch das richtige Verständnis für etwas wie Checkpoint Charlie. Ich würde es nicht ignorant nennen. Unwissend auch nicht, ich kenne die Geschichte. Aber 1989 (Fall der Mauer, für die ganz jungen Leser) war ich 13. Und davor schlicht zu jung, um die Dramen der Trennung wirklich mitbekommen zu haben. Ein Freund kennt Checkpoint Charlie noch als tatsächlichen Grenzübergang. Und jetzt als Touristenattraktion. Für den ist das selbstverständlich ein ganz anderes Gefühl dort zu stehen.

Fassen wir zusammen: Berlin ist ein zweiter Weltkrieg-Museum. Und das ist nicht einmal bös gemeint. 

Ach, und um auf den Titel zu kommen: Berlins Maskottchen ist ein Bär. Die Bärin Schnute. Sie sitzt quasi mitten in der Stadt in einem winzigen Zwinger. Und nein, Berlin wollte sie nicht an Vier Pfoten verkaufen, damit die ihr einen adäquaten Lebensabend in einem ihrer Bärenwälder bieten können. Sorry, Berlin. Das ist alles andere als cool...

(und falls euch der Bär auch so leid tut, wie mir, dann spendet hier ,um wenigstens anderen Bären zu helfen)

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