Mittwoch, 16. September 2015

Alto Adige Teil5 - Also eigentlich Trento im Trentino...

...aber wir wollen nicht zu kleinlich sein.

Mittwoch. Ich war nicht mehr die einzige Gästin. Es kam Nachts "ein Herr aus Wien", wie mir des Drillsergeant Frau mitteilte. In einem verschwörerischen Ton, inklusive Blick, der so viel sagte wie: "Den kennsch doch. Der isch auch aus der Stadt." oder "Der isch Single. Du auch." oder "I setz ihn zum Frühstück neben dich." oder "Soll ich ihn dir vorstelle?" oder... Irgendetwas wollte sie mir mit dieser Botschaft mitteilen. Allein, es kam nicht an.

(Ich hab ihn dann freundlich begrüßt, als er auch zum Frühstück kam, er hat kaum den Mund aufbekommen - das war's dann mit uns - und mit der Geschichte über ihn.)

Der allgemeine Südtirol-Plan sah auch Trient (Trento) im Trentino vor. Also nimma Südtirol. Und dort sprach auch keiner Deutsch mit mir. Aber immerhin italienisches Englisch.
Am Vorabend hab ich lang mit mir gehadert, weil ich ja u.a. mit dem Auto nach Südtirol gefahren bin, um dann auch (unabhängig) ein bisserl herum zu fahren. Immerhin hatte ich mir im Vorfeld Infos zu Parkmöglichkeiten in allen Städten schicken lassen und extra PapaBär's Navi mitgenommen - dem ich aber nach der Hinfahrt kein Stück mehr vertraut habe. Aber so geheuer war mir das nicht. Solange ich nur fahre, ist alles in Ordnung, aber wenn ich mich nicht auskenne beim Parken, werde ich unruhig. V.a. da ich im Vorfeld davon gelesen habe, dass man beim Einfahren in gewisse Zonen Strafe zahlt. Beim Spazierengehen in Bozen und Meran, ist mir aber keine gut sichtbare Markierung dieser Zonen aufgefallen. Das hat mich alles sehr beunruhigt.

Die Alternative war: sehr früh aufstehen, um einen halbwegs vernünftigen Zug zu erwischen, um genug Zeit in Trient verbringen zu können. Keine Frage, der Drillsergeant war natürlich für Variante zwei. Schließlich "kommsch ja eh überall mit der Bahn hin". Diese Variante hat mir aber am wenigsten zugesagt. Leider die Variante mit Auto auch nicht sehr.
Im Endeffekt hab ich mich zusammen gerissen und beschlossen, mit dem Auto zu fahren. Herrgottnochmal, ich bin fast 40, ich werd's doch wohl schaffen mit dem Auto - ohne großen Schaden anzurichten, weder in Trient, noch am Auto oder mir - dorthin zu fahren! Also vor den Hotel-Computer gesetzt und mir die Parkhäuser in Trient angesehen. Eines, von dem ich dachte, es läge gut, raus gesucht, Adresse notiert und nochmal innerlich auf mich eingeredet.



Irgendwann am Vormittag bin ich dann los. Nun muss man dazu sagen, dass ich dem Navi ja nur noch halb vertraut habe und die Beschriftung der Straßen da in diesem "Ausland" auch noch nicht so ganz verstanden habe. Weil, simma ehrlich, idiotensicher isses nicht. Z.B. stand da immer "Brennero" angeschrieben und ich war mir sehr sicher, dass Trento nicht in Richtung Brennero liegt. Weil von dem kam ich ja, als ich *von* Österreich *nach* Südtirol gefahren bin... Erst später, viel später, nach ein paar Mal Bundesstraße statt Autobahn fahren, habe ich verstanden. Mit "Brennero" war nicht die Richtung gemeint. Sondern die Autobahn an sich. Die hieß ja auch Brennero. Die richtige Richtung ergibt sich erst, wenn man auf die Autobahn "Brennero" auffährt. Denn dort entscheidet es sich. Blöd. Mir ist doch ziemlich egal, wie die Autobahn heißt, ich will wissen, in welche Richtung sie geht. Das wär, als ob man in Wien bei einer Brücke "Donauuferautobahn" hinschreibt, anstatt "Prag" oder "Budapest".
Wie auch immer, ich hab's irgendwie nach Trient geschafft. Und dann doch wieder auf's Navi vertraut, bis es sagte: "Das Ziel befindet sich auf der rechten Seite." Aber auf der rechten Seite war nix. Also nix, was für mich nach einem Parkhaus aussah. Da war nur eine sehr kleine, sehr enge, sehr steile Abfahrt ins Nichts. Und darüber stand ein P. Aus diesem Nichts kam ein Auto. Wenn da ein Auto raus kommt, kann das unmöglich derselbe Ort sein, wo ich mit dem Auto rein muss. Ich stand also da am Rand und hab überlegt, während mein Navi unaufhörlich meinte, dass sich das Ziel rechts von mir befand. Mut zusammen genommen und runter gefahren. Es kam mir ein junger Mann entgegen, den ich ignoriert hab und hab mich auf einen Parkplatz gestellt. Er hat mich dann in schlechtem Englisch angesprochen und erst da hab ich gecheckt, dass der sowas wie ein Parkwächter ist. Ganz getraut hab ich der Sache nicht. Dann wollte er noch meinen Autoschlüssel. Den wollte ich aber nicht her geben. Er hat versucht, beruhigend auf mich einzureden, dass er nur das Auto umstelle und ich den Schlüssel gleich wieder bekäme. Irgendwann hab ich nachgegeben. 

Er hat mir dann noch am Plan gezeigt, wo ich bin und dass er bis 18:00 hier wäre.
Dann bin ich los getrottet.


Zuerst mal ins Castel del Buonconsiglio, das war mal der Sitz der Trienter Fürstbischöfe. An
der Fassade des ältesten Teils sieht man schön die verschiedenen Baustile. Besonders hübsch ist die spätgotische Venezianische Loggia. Im Adlerturm sind die Fresken "Zyklus der Monate", die aber nur mit Führung zu besichtigen wären. Ich wollte eine Karte, aber die Dame erklärt mir, es wären alle ausverkauft, morgen wieder oder so. Da ich so traurig geschaut habe, meinte sie, eventuell könne ich mich einer Schulklasse anschließen und erklärte mir den Treffpunkt. Wenn das nicht klappte, bekäme ich mein Geld wieder. 
Die Führung wäre in einer halben Stunde geplant gewesen, also bin ich zum Treffpunkt und hab mich dorthin gesetzt und gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Bis mir irgendwann klar wurde, da kommt keine Schulklasse mehr. Eine Aufsichtsperson wollte meine Karte sehen. In Null Komma Nix waren sie zu fünft, haben aufgeregt gestikuliert und versucht, mir irgendwas auf Italienisch zu erklären. Es endete damit, dass einer irgendwo anrief und mir das Telefon in die Hand drückte. Die Ticket-Dame war dran und erklärte mir, dass die Schulklasse leider nicht kommt und ich dann mein Geld zurück bekomme. 
Dann bin ich eben so durch das Castello gestrolcht. War eh hübsch. Bissl wie ein Labyrinth.
Nach 2 Stunden war ich fertig und hab mich in die Stadt aufgemacht.

Tja. Trient also. Warum mir Trient nicht so gut gefallen hat, kann ich nicht genau sagen. Als ich in meinen Reiseführern darüber gelesen hatte, war ich der Meinung, Trient würde mir von allen Städten hier am besten gefallen. War aber nicht so. Es kam mir so herunter gekommen vor. Wenig bis schlecht restauriert. Menschenleer und die, die da waren, trugen alle Jogginganzüge... sehr merkwürdig, das alles.



Der Dom (Basilica Duomo di S Vigilio) hat die Bezeichnung auch verdient. Riesig. Romanisch-Lombardisch. Aber innen halt italienische Gotik. Dh. der Innenraum ist kahl und wirkt wenig einladend. In den Seitenschiffen führen Treppen nach oben in die Glockentürme (wo man natürlich nicht rauf durfte). Das sah sehr interessant aus. Unter dem Hauptschiff kann man in die Krypta. Wenig interessant leider. Selbstverständlich gibt es Fresken drin und noch ein paar erhaltene romanische Reliefs. 

Noch zwei Runden durch die Stadt, rasch noch zum Torre Verde (hatte ich fast vergessen) und dann die Panik bekommen, weil ich nicht mehr wusste, bis wann der Parkwächter sagte, dass er da sei. Im Geiste hab ich mich schon heulend bei der Polizei gesehen, die ich anbettle, dass sie das Parkhaus aufbrechen, damit ich zu meinem Auto komme. Aber alles gut. Ich war eine Stunde vor Ablauf der Zeit zurück. Und hab bei der Gelegenheit den - wirklich freundlichen - Parkwächter gefragt, wie ich wieder zurück nach Bozen käme. Er hat's mir aufgezeichnet: "Ampel eins, Ampel swei, Ampel drei, Ampel fier, Ampel füf und durch die Brugge, über die Flusche." Alles klar. Kinderspiel. (Hat tatsächlich gestimmt, übrigens!)

Das war mein Ausflug in den Trentino. Das Rundherum war aufregender, als Trento selber. Zu Hause angekommen, wurde ich wieder von einem waschechten Alpenglühen begrüßt. 


Teil6 - Brixen
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