Donnerstag, 17. September 2015

Alto Adige Teil6 - Kreuzgänge, Kreuzgänge, nix als Kreuzgänge

... (und Fresken)

Donnerstag, ich muss jetzt ein bissl Gas geben. Brixen und Kloster Neustift stehen noch am Programm. Es war klar, dass ich fürs Kloster sicher länger brauche. Also endlich mal früher los. Eh.

Mit dem Zug ist man recht rasch in Brixen. Dann geht man ein bissl und schon steht man im Garten der Hofburg, geht raus, biegt ab und geht durch eines der Stadttore in die Stadt. Ehrlicherweise unterscheidet sich Brixen nicht so dermaßen von Bozen oder Meran (steinigt mich nicht, es sieht sich schon sehr ähnlich), aber aus irgendeinem Grund ist Brixen viel süßer und niedlicher. Von dem Ort, von dem ich dachte, dass er mir am wenigsten gefallen würde, war ich recht beeindruckt. 
Vielleicht war ich auch einfach nur wirklich gut gelaunt und die Sonne hat mir auch aufs Gemüt geschienen. Aber süß ist Brixen dennoch. Und es hat eine Art Vierer-Kirche. D.h. an den "Dom" angeschlossen, stehen noch drei weitere Kirchen. Den gesamten Komplex kann man tatsächlich durch*queren*. Ob das erlaubt war, weiß ich nicht. Die Türen waren offen. 
Beginnende im "Weißen Turm", der innen einen Gewölbe hat, von dem ich tatsächlich mal nicht weiß, wie ich es benennen soll. Erinnert hat es mich an einen Alien-Film. Sehr faszinierend, spannendes Barock. So noch nie gesehen. Von dort kommt man in die Kirche "Unsere liebe Frau". Ein kleines Kircherl, vollgeräumt mit Marien- und Magdalenenbildern - wirkt ein bisserl wie ein mit Fotos tapeziertes Wohnzimmer. Und durch eine weitere Seitentür geht man dann in den eigentlichen, barocken, Dom. Daneben ist nochmal so ein kleines Kircherl wie das "Unsere liebe Frau", das war aber leider zugesperrt. Ich glaub auch, noch nicht so ganz fertig restauriert (und natürlich voller Fresken).

Hinter dem Dom ist der Kreuzgang. Der Kreuzgang aller Kreuzgänge. Der mit dem Elefant, der aussieht, wie ein Pferd mit Rüssel. Eh scho wissen. Ja, gewusst hab ich's. In dem Augenblick aber, in dem ich in dem Kreuzgang stand und vor Bewunderung nur noch nach Luft geschnappt habe, hatte ich vergessen, dass ich den Elefanten suchen wollte. Egal. Brixen gefällt mir ja, und, obwohl ich viel gesehen habe, habe ich sicher nicht alles gesehen (Stufels fehlt zB, weil meine blöden Reiseführer kein Wort darüber verloren haben), also komm ich wieder.
Im Kreuzgang kann man sehr viel Zeit verbringen. Und ein paar Mal im Kreis gehen. Und trotzdem ständig was Neues entdecken. Jeder Teil des Kreuzganges sieht anders aus. Also ob verschiedene Künstler je für einen der vier Gänge zuständig waren und sich dort ausgetobt haben (war im Grunde auch so)...

Ich war dann auch noch in der Hofburg, weil sowohl meine Reiseführer, als auch der Drillsergeant meinten, da müsse man rein. Sie war früher Sitz der (Fürst)Bischöfe von Brixen. Der Innenhof hätte architektonisch vielversprechend ausgesehen, wenn er nicht eingerüstet gewesen wäre. Drin gibt's eine Krippenausstellung, die selbst für mich zu viel war, da bin ich durch gelaufen. Dann gibt's noch den Brixner Domschatz und Objekte aus dem Diözesanmuseum. Der Domschatz ist nett, es gibt aber weitaus aufregendere. Die liturgischen Gewänder haben mich wenig bis gar nicht interessiert. Angesehen habe ich mir dennoch alles. Mit der Rittencard war ich ja vorne dabei. Also nix verloren.

Nach einem nochmaligen Rundgang durch die engen Gässchen von Brixen (dort gibt's übrigens auch Laubengänge - welche Überraschung), habe ich mich zur Bushaltestelle aufgemacht, um zum Kloster Neustift zu kommen.
Die mit mir wartende Dame hat mich netterweise im Bus nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass ich aussteigen muss, obwohl ich das Kloster eh schon gesehen habe. Ist auch nicht zu übersehen. Sehr großes Areal und wirklich schön. Leider hat auch hier mein Reiseführer ein paar Fehler gemacht, aber den hab ich ohnehin nur noch halbherzig gelesen. 

Erkundigt nach einer Führung. In einer dreiviertel Stunde wäre es soweit. Gleich mal die Zeit genutzt und in den Kreuzgang marschiert. Auch sehr groß und auch sehr schön, aber Brixen hat mich schon so überwältigt....
Dann noch den Wunderbrunnen bewundert (!), der so heißt, weil auf ihm die sieben Weltwunder dargestellt werden, mit dem Stift als achtes. Und dann ging's auch schon los mit der Führung. Was für ein Glück, dass ich kaum drauf gezahlt habe (Rittencard, eh scho wissen), weil diese Führung so dermaßen grottenschlecht war, dass ich dazwischen oft überlegt habe, abzubrechen und selber weiter zu gehen. Der ältere Herr war zwar nett und freundlich, hat die Führung auf Deutsch und Italienisch abgehalten, aber *ständig* dasselbe erzählt und sich mit uns die meiste Zeit im Museum aufgehalten. Kein Wort über den Wunderbrunnen, durch den Kreuzgang sind wir im Schnellschritt und dazu hat er nur zwei Sätze verloren, die Michaelskapelle hat er auch mit keinem Wort erwähnt und ein ganz kurzer Abschluss in der barock-überladenen Kirche, dass hier gern geheiratet wird. (Die Kirche zeigt übrigens an der Außenansicht drei verschiedene Bauformen, aber hey, wen interessiert das schon). Ich hab's kaum glauben können. Da ist man in dem gar nicht mal so unberühmten Kloster Neustift und dann beschäftigt sich die Führung mit den ziemlich uninteressanten Museumsstücken (bis vielleicht auf die Bücher, aber auch nach dem fünften Mal ist es nicht mehr spannend, welche Naturmaterialien zu welchen Farben verarbeitet wurden) und verliert kaum ein Wort über Baugeschichte oder Ähnliches, aber zehnmal so viele Worte darüber, dass man die Klosterbrüder mit "Herr" anspricht und dass eine Schule angeschlossen ist in der er (der Guide) auch war. So kann man innerhalb von 45min einen interessanten Ort völlig kaputt reden.


Ich bin dann allein los gezogen, über den Friedhof der Chor*herren* gegangen, die drei Bauformen der Kirche bewundert, das weitläufige Land mit Weinbergen rundum, an der Mauer gegen eine Türkenbelagerung (die eh nie kam) entlang gewandert, eine Sonnenuhr im Schatten entdeckt, eine weitere kleine, sehr alte Kapelle, die leider geschlossen war, gesehen, seitlich wieder ins Areal, um festzustellen, dass die Michaelskapelle (auf die ich so gespannt war, weil dem Grabestempel in Jerusalem angeblich nachempfunden) gerade restauriert wird und daher geschlossen war. Und der nette Herr Bauarbeiter wehrte sich standhaft gegen meine Bezirz-Versuche...
Noch einen kurzen Zwischenstopp im Shop (ja, auch die *Herren* müssen leben...) den Bus zurück genommen und am Domplatz was gegessen. Hat auf der Karte besser ausgesehen und insgesamt besser geklungen, als es dann war. Tiroler Tris mit Schlutzkrapfen, Tiroler Knödel und noch was Tirolerisches. War leider Tiefkühlkost. Aber ich hatte riesigen Hunger. 

Irgendwann hab ich müde den Zug zurück erwischt, glücklicherweise auch die Rittnerbahn, dunkel war's schon und ich schleppte mich langsam die 300 Höhenmeter von der
Haltestelle zum Hotel. Wollte ich. Denn kaum war ich im Waldstück, ohne Beleuchtung, hat sich der Boden unter mir bewegt. Ich kreischend zur Seite gehüpft und auch dort hat sich der Boden bewegt, nachdem ich nach ein paar Mal kreischendem Hüpfen, endlich einen Platz ohne Bewegung gefunden habe, hab ich mit dem Handy Licht gemacht. Hunderte von braunen Kröten auf meinem Weg!!! Alles, was ich für Laub gehalten hab, war eine Kröte! Nur sehr vorsichtig - und den Rest des Weges mit Licht aus der Handy-App - hab ich mich rauf bewegt. 
Müde, erschöpft, beeindruckt ins Bett gefallen. Morgen wird gefaulenzt.


Teil7 - Wandern
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