Sonntag, 21. Februar 2016

Bärcelona - Bärri Gaudic

Am nächsten Tag standen Las Ramblas am Programm, Barri Gotic und was sich halt sonst noch ausgeht. Viel ist sich nicht mehr ausgegangen, weil ich gleich im ersten Gaudí-Bauwerk die meiste Zeit des Tages verbracht hab (4 Stunden!)... 
La Rambla ist eine breite Flaniermeile, die vom Zentrum zum Hafen führt. Hoffnungslos überrannt mit Touristen und praktisch alle fünf Meter ein Souvenirstand. Ein Standler, bei dem ich meine obligatorischen Magneten gekauft habe, hat mich ausgefragt, woher ich komme, wohin ich gehe, usw. Ich sähe wie keine Österreicherin aus, meinte er - wie viele er wohl schon kennen gelernt hat? Ich wäre die typische Spanierin - ok, viele Spanierinnen hat er wohl auch noch nicht gesehen. However, ich sollte im Juni wieder kommen. Der perfekte Monat für Barcelona, warm, aber noch nicht zu heiß, viele Menschen, aber nicht zu viele. Nachdem er mit der Ortsbestimmung so dermaßen gut war, vertraue ich mal lieber nicht darauf und komme nicht im Juni wieder...


In einer Seitengasse der Rambla findet man auch schon ein frühes Gaudí-Bauwerk: Palau Güell. Eusebi Güell war ein Mäzen und Förderer Gaudìs und hat sich von ihm diesen Stadtpalast entwerfen lassen. Gaudí hat sich ausgetobt und damit den Historismus überwunden. Das erste Mal hat er hier sein für ihn typisches Prinzip der Hängemodelle angewandt. Dabei stellt man sich eine durchhängende Kette vor, die man dann umdreht. Er war ein fantastischer Statiker. Vom Untergeschoß (Stallungen) bis aufs Dach hinauf war alles bis ins kleinste Detail geplant und ausgeführt. Es ist atemberaubend. Vom Lüftungsschlitz, über Intarsien in Treppen und Wänden, hyperbolische Paraboloiden, dass einem die Luft weg bleibt vor Staunen und Bewunderung, sogar die Möbelstücke, der Schmuck an den Decken und die Schmiedeeisernen Gitter wurden von ihm entworfen. Kein Wunder, dass ich da vier Stunden nicht mehr raus gekommen bin. Die Zeit hat mir dann halt leider später gefehlt, aber das war's wert. 

Einschub: In Österreich vergleicht man Hundertwasser ja gerne mal mit Gaudí, aber - sorry - wer das tut, hat von beiden keine Ahnung. Hundertwasser war Künstler (ob man ihn mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen), aber Gaudí war Architekt und m.M.n. Multi-Genie. Seine Bauwerke stehen noch, während Hundertwasser, naja... der ist halt bunt und wellenförmig... Er hätte beim Malen bleiben sollen.
Bevor hier ein Shitstorm los geht: Geschmäcker sind erstens verschieden, zweitens habe ich Architektur studiert und drittens zwei Jahre lang im Hundertwasserhaus gearbeitet. Ich kenne also ein bissl was und trau mich das sagen.


Irgendwann hab ich es dann doch noch raus geschafft und musste mich ran halten, um noch
wenigstens einen Teil des Tages-Programms zu schaffen. Barri Gotic (das gotische/mittelalterliche/jüdische Viertel) ist gleich auf der anderen Seite der Rambla. PapaBär hat mich dazu angehalten, das nicht zu verpassen. Nun gut, es ist gotisch/mittelalterlich - ja, ich weiß schon, dass das verschiedene Jahrhunderte sind, aber dort ist alles vorhanden. Ich mag Gotik, aber man muss es nicht so genau durchgehen, wie ich. Zum Fotografieren eher schlecht geeignet, da die Gassen eng und die Gebäude hoch sind (d.h. die Sonne ist oben und unten ist es dunkel - mühsam in der Nachbearbeitung). Es gibt aber wirklich viel zu sehen und man kann sich das Mittelalter in den engen Gassen recht gut vorstellen. Zentrum des Barri Gotic ist La Catedral, die Kathedrale von Barcelona. Nicht zu verwechseln mit La Sagrada Familia (die ein gutes Stück weiter weg liegt). 
Ach ja, wer von der Seufzerbrücke fasziniert ist (nicht die in Venedig), die ist hübsch, aber neogotisch. Das ist viele Jahre jünger... 
Am besten, man hat einen Reiseführer, der einen Spaziergang durch das Viertel anbietet - so hab ich es auch gemacht - da sieht man unglaublich viel und verpasst so gut wie nix. Wandert man auf eigene Faust durch, bekommt man die Jahrhunderte und die vielen Bauwerke kaum mit. Nur so als Tipp. 

Die erste Hälfte des Tages bei Gaudí, die zweite im Barri Gotic, der Tag musste mit der Sagrada enden. Zu Fuß vom Viertel nicht machbar, öffentlich hin fahren, die U-Bahn hält praktisch vor dem (Hinter)-Eingang. Und da steht sie. Viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe und von außen - für mich - nicht ganz so beeindruckend, weil total überladen und das hat mich ziemlich überfordert, aber von innen... Boah! 

Die Basilika Sagrada Familia ist Gaudís Lebenswerk und orientiert sich an der klassischen, fünfschiffigen Kirche. Er hat praktisch von Beginn an bis zu seinem Tod an ihr gearbeitet und - wie wir alle wissen - ist sie immer noch nicht fertig gestellt. 1882 wurde sie begonnen, 2026 soll sie - rechtzeitig zu Gaudís 100. Todestag - fertig sein. Das ist in 10 Jahren, da bin ich 50. Und noch einmal dort. 
Begonnen wurde sie von einem anderen Architekten, als Gaudí die Bauleitung übernahm, war ein Teil der Krypta schon fertig. Er hat sie nach den eigentlichen Entwürfen fertig gestellt, nur ein wenig erhöht. Darüber hat er sich dann ausgelassen. Leider gibt es die Original-Entwürfe von ihm nicht mehr, daher baut man jetzt so weiter, wie man glaubt, dass es zu seinem Stil passt. Insgesamt 43 Jahre hat Gaudí an ihr gearbeitet, die letzten 15 Jahre nur noch an ihr und an nichts anderem mehr. Er soll quasi davon besessen gewesen sein, obwohl ihm klar war, dass er sie nicht vollenden wird können. Zu seinem Tod 1926 war nur einer der Türme der Geburtsfassade fertig. 
Die Geburtsfassade ist fast vollständig sein Werk und - imho - hoffnungslos überladen. Ich bewundere Gaudí, aber das war mir einfach zu viel. Man weiß nicht, wohin man blicken soll, weil so viel da ist. Die gegenüberliegende Passionsfassade ist neu (1988) und gefällt mir leider auch nicht so, aber das ist wirklich sehr subjektiv. 
Ich bin ehrlich froh, dass ich noch nicht viel früher in Barcelona war, sonst hätte ich wohl noch nicht den Innenraum der Basilika gesehen und der ist unglaublich. Auch meine Begleitung meinte: "Noch nie eine Kirche gesehen, die den Blick so nach oben zieht, wie diese." Man kann einfach nicht anders, man geht rein, blickt nach oben und bekommt den Kopf einfach nicht mehr runter. 
Da wir abends dort waren, war keine Schlange an den Schaltern, allerdings haben wir auch vergessen, dass man in die Türme hinauf kann (per Aufzug!!), was aber egal war, eine Aussicht auf Barcelona hatte ich schon vom Palau und später noch von der Kathedrale. Angeblich soll man ja stundenlang anstehen, bevor man zu einem Ticket kommt. Glück gehabt!
Ein unvergesslicher Abend...


Fortsetzung folgt
Barcelona Teil1

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