Montag, 22. Februar 2016

Bärcelona - Sprung der Jahrhunderte

Zweiter und letzter Tag in Barcelona. Nachdem man mir zuvor nahe gelegt hat, *unbedingt* den Park Güell zu besuchen, muss der heute sein. Danach quer durch die Stadt zurück ins Barri Gotic, um die Kathedrale zu besichtigen und dann auf den Spuren des Modernismus entlang. 
Dinge wie das Phallus-Gebäude, das Aquarium oder das moderne Viertel an sich, interessierten mich ohnehin wenig. Zum Castel de Montjuic wollte ich zwar, war mir aber schon am ersten Tag klar, dass sich das nicht ausgehen würde. Und, obwohl der Font Magica auf dem Heimweg lag, ist sich auch der irgendwie nie ausgegangen. Egal. 


Also auf zum Park Güell. Der liegt echt weit weg. No na, denn um 1900 hat Eusebi Güell (wir kennen ihn schon als Mäzen Gaudìs) Antoni beauftragt ein neues Wohnviertel außerhalb des Stadtzentrums zu bauen. Rund 60 Wohn- und Erholungsanlagen sollte es umfassen, wurde aber von den wohlhabenden Bürgern Barcelonas - die darin wohnen und es daher vorfinanzieren sollten - nicht angenommen und daher nie fertig gestellt. In einem Häuschen hat Gaudí eine Zeit lang gewohnt, das kann jetzt als Museum besichtigt werden. 
Man kann in die Nähe mit der U-Bahn fahren. Angeblich fährt ein Bus bis vor den Eingang, den hab ich aber nicht gefunden. Wie ich überhaupt die Busse nie gefunden habe, also bin ich ausschließlich U-Bahn gefahren. Da kommt man auch überall hin. Dann bin ich den Schildern gefolgt. Und gefolgt. Und gefolgt. Dann biegt man irgendwann ab und steht plötzlich vor einer Rolltreppe, die den Berg hinauf fährt. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da fährt auf einer Straße eine Rolltreppe den Berg hinauf. Was für ein Glück, es war nämlich sehr schwül und mir taten ohnehin schon die Füße weh. 
Oben geht man dann nochmal hinauf. Und weiter hinauf. Und eigentlich immer hinauf. Man ist dann schon im Park, ohne es wirklich zu merken. Folgt dann ein paar Wegen, Schildern und den Massen an Touristen, dann steht man... vor verschlossenen Türen. Und dahinter dieser weltberühmte Freiluft-Balkon von Gaudí - der mit den bunten, geschwungenen Bänken und dem Blick über die Stadt. Nun ja, "Türen" ist übertrieben, es war einfach eine Grenze, die man nur mit gültigem Ticket übertreten durfte und zu beiden Seiten eine kilometerlange Schlange an Menschen. Dass Eintritt verlangt wird, dürfte wohl erst seit kurzem der Fall sein, denn mir hat man zuvor erklärt, es wär alles gratis. Und "Freiluft-Balkon" ist auch übertrieben. Es ist ein riesiger Sandplatz auf dem nichts ist, absolut nichts, bis am Ende eben die Bänke. Überall laufen Securities herum, die jeden von allem abhalten. Unglaublich enttäuschend die ganze Sache. 

Also bin ich rundherum gegangen, denn rundherum gehen war gratis, dann kommt man zu den Arkadengängen, die aussehen wie Baumstämme, zu Gaudís Villa und irgendwann dann zum eigentlichen Eingang des Parks, dessen Tore (tatsächlich Tore) auch geschlossen waren, weil ebenfalls nur mit Eintrittskarte zu überschreiten. Dahinter der Stiegenaufgang mit dem Echsentier in der Mitte und die Säulenhalle. 

Gut, es war mir eh schon egal, ich war müde, verschwitzt, sauer und interessiert hat's mich auch nicht mehr. Schwer enttäuscht bin ich abgezogen. Park Güell und ich wurden keine Freunde. 

Zurück ins Zentrum, ich wollte die Kathedrale sehen. Bei einer Engländerin, die Touristen am Vortag dort vorbei geführt hat, habe ich gehört, man sollte die Karten im Vorfeld besorgen, weil die Schlangen davor so lange wären. Trotzdem hab ich mein Glück versucht und siehe da, fast kein Mensch angestanden. 

La Catedral (nicht die Sagrada!) ist ein schönes Beispiel katalanischer Gotik. Die - für viele beeindruckende - Fassade jedoch ist neogotisch, also 19. Jhdt. Innen überwältigt sie an Größe. Dreischiffig, der Innenraum geht auf das 14. Jhdt zurück, das fein gearbeitete Holz-Chorgestühl ist riesig und auch der Kreuzgang (aber ohne Fresken ;-) ) ist aus dem 14. Jhdt. Darin wohnt eine Schar Gänse. Ursprünglich waren es 13 Stück und dienten als "Wach-Gänse". 
Außerdem kann man mit Aufzug (!) aufs Dach und sich die Glockentürme aus dem 19. Jhdt aus der Nähe ansehen, wie auch einen wunderschönen Rundumblick genießen. Auf dem Hauptturm versteckt sich ein kleines, rundes, modernes Türmchen mit einer Schnecke am Dach, die so gar nicht zum Rest des neugotischen Turmes passt. Warum die da ist, da gehen die Meinungen auseinander: sie könnte auf eine Wendeltreppe hinweisen, weil das
spanische Wort dafür der Schnecke gleicht. Sie könnte auch, ähnlich einer Pestsäule, an eine Schneckenplage erinnern. Eine Hommage an Miró, der in dem Viertel lebte (das ist meine Version), oder vom Architekten als Rache an seiner Frau, die ihm die Hörner aufgesetzt hat, oder weil der Bau des Turms so langsam voran ging. Oder auch vom Architekten geplant, um seine eigene Unzulänglichkeit seiner Frau gegenüber darzustellen, die er während des Baus vernachlässigte und die sich einen Liebhaber suchte. Alle Versionen gibt es. Welche die korrekte ist, weiß keiner - ich mag meine. Ich glaub, ich war die Einzige, der die Schnecke am Dach aufgefallen ist... 

Und wieder einmal ist mir die Zeit verloren gegangen. Schnell den Plan und Reiseführer raus geholt und überlegt, wie ich den Rest noch unterkriege. Am besten die zwei angebotenen Routen durch die Zeit des Modernismus verbinden und alles in einem abgehen. Normalerweise sind die Routen ja mit Pausen geplant, ohne Pause, sollte sich das machen lassen (ist es nicht ganz). 

Modernismus ist eine Form des Jugendstil. So wie Art Deco, Art Nouveau, Secessionsstil, Reformstil, Wiener Werkstätte,... je nachdem wo man sich befindet, was es bezeichnet und gehört zeitlich in die Wende des 19. zum 20. Jhdt. Also nicht sonderlich alt, aber besonders schön imho. Berühmte Vertreter dieser Ausprägungen sind eben Gaudí, Rennie Mackintosh, Klimt, Toulouse-Lautrec, Otto Wagner, Koloman Moser oder Alfons Mucha. In Barcelona gibt es selbstverständlich noch Modernismus-Bauten anderer Architekten und Künstler, aber Gaudí ist der bekannteste (und der, den man kommerziell am besten verbraten konnte). 
Nun, weit bin ich nicht gekommen, weil ich in einer Straße hängen geblieben bin, in der sich praktisch ein Jugendstil-Haus an das nächste gereiht hat und ich alle fünf Meter fotografieren und staunen musste. Irgendwann hab ich es dann endlich zu den nächsten, berühmten Gaudí-Bauten geschafft: Casa Batllo (das Drachen- oder Knochenhaus) und Casa Mila (La Pedrera). Glücklicherweise liegen die beiden nahe beieinander. 
Casa Batlló gibt im Äußeren die Legende des hl. Georg (Schutzheiliger Kataloniens - der den Drachen tötet - lest nach): die blaugrünen Keramikfliesen sind die Schuppen des Drachen, das Dach ist der Drachenrücken, die Balkone und Säulen sind Schädel und Knochen der Opfer des Drachen. Natürlich kann man auch das besichtigen, aber einerseits war ich schon spät dran, andererseits hatte ich ja schon viel zu viel Zeit in einem anderen Gaudí-Stück verbracht und außerdem war ich wirklich müde. Aber es soll sich auszahlen. V.a. da man eine Augmented Reality-Führing drin machen kann. Kostet sicher nicht wenig, soll aber sehr gut sein. Alles, was man braucht, bekommt man vor Ort.
Einmal über die Straße gehen und man ist bei Casa Milà, La Pedrera oder "der Steinbruch". Eine der letzten Bauten von Gaudí und das merkt man - außen - auch. Ich glaube, das Haus gibt nur von innen - Besichtigung möglich, aber nicht für mich - und außen in der Nacht was her. Ich finde es jetzt nicht ganz so aufregend, dazu ist es mir außen zu "glatt", aber vermutlich änderte ich meine Meinung, sollte ich mal hinein kommen. Dennoch ein schöner Abschluss für einen langen Tag. 

Und sonst? Barcelona hat viel zu bieten, viel mehr, als ich gesehen habe. Man sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen und unbedingt mit dem Kopf oben und offenen Augen durchgehen. Wahrscheinlich sieht mich die Stadt vor 2026 wieder... 


Barcelona Teil1
Barcelona Teil2

Fotoalbum

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