Montag, 16. Mai 2016

HimBär trifft ErdBär ... mit Anfangsschwierigkeiten

Eigentlich wollte ich ja nach Lissabon, aber dafür waren mir die Flüge zu teuer. Also Google Maps aufgemacht, auf Europa gezoomt und geschaut, welche Städte in der Nähe ich noch nicht kenne (es sind derer noch viele). Eine Stadt per Flugzeug zu erreichen, war das Ziel. Vielleicht in den Norden? Anfang April ev eine Spur zu kühl, also eher in den Süden. Nicht schon wieder Italien. Spanien? Madrid fehlt noch. Reizt mich nicht so, aber was soll's. Flüge gecheckt, günstige gefunden, Hotel gecheckt, ja geht so, Flüge gebucht. Iberia fliegt in 3 Stunden dorthin. Ohne Essen. Ohne Snacks. Sollte man vorher wissen. 
However, Flug war gebucht, einige Hotels reserviert (glücklicherweise lässt booking mehrere Reservierungen zur gleichen Zeit in derselben Stadt zu), aber irgendwie nur halb glücklich mit meiner Auswahl. Nun gibt es da so eine Sache, die ich auch erst lernen musste: überall in Spanien (in meinem Fall Madrid) reiht sich ein "Hostal" an das nächste. Dazwischen nur ganz wenige "Hotels" und die - für meine Begriffe - etwas zu teuer. Ich bin 40. Mit dem Übernachten in Hotels habe ich erst sehr spät begonnen (wie mit fast allem in meinem Leben, aber das ist eine andere, abendfüllende Geschichte), zuvor war ich ja meist in GB und da fast immer bei host families oder Freunden. Mit der Schule war ich zweimal in einer Jugendherberge, einem Hostel. Da war ich noch jung, da hatte ich außerdem keine Wahl, da war das ok. Seit ich aber begonnen habe, in Hotels zu übernachten, bin ich auf den Geschmack des mich bedienen lassens gekommen (mit ein Grund, warum ich AirBnB auslasse). Ich mag es, wenn das Zimmer hergerichtet ist, wenn ich abends zurück komme und ich liebe Frühstücksbuffets, v.a. wenn sie Speck haben (was für ein Jammer war das für mich in Istanbul). Für mich steht und fällt eine gute Reise in gutem Hotel mit dem Frühstück(sspeck). Der Gedanke an ein Hostel, in dem man ev. das Badezimmer teilen muss (mit fremden Menschen!), wo kein Frühstück angeboten wird, das Zimmer nicht gemacht wird, man ev. sein Bett selber überziehen muss, die übrigen Gäste vermutlich sehr laut sind und man nicht ordentlich schlafen kann, hat mich schaudern lassen. Ja, call me egoistisch oder verkorkst, aber ich lebe alleine in einem Haus, ich find's nett, wenn man mich hin und wieder bedient. Ich zahl ja auch dafür. Also irgendwann dachte ich mir: "Das gibt's doch nicht, warum ist Madrid voll von Jugendherbergen (i.m.F. Hostal) aber hat kaum Hotels? Da stimmt doch was nicht." Richtig. Das stimmte nicht. Weil Wikipedia mich dann aufgeklärt hat: ein HostAl ist nicht ein HostEl. Zumindest nicht in Spanien. Ein Hostal ist ein Mittelding aus Hotel und Hostel, kommt einem B&B nahe. Es gibt keine Schlafsäle, ist aber klein und eher familiengeführt und hat meist noch eine Bar oder ein Café integriert. Es gibt auch Sternen-Ratings unter den Hostals. Die sind mit denen der Hotels nicht zu vergleichen, aber es ist ähnlich. Und sie sind eben günstiger als Hotels. Aber nicht so billig wie Hostels. 
Alles klar! Damit war es dann getan. Ein Hostal mit (sehr gut bewertetem Frühstück) im Stadtzentrum ausgesucht und nun konnte es losgehen. Selbstverständlich nicht, ohne meine Reiseführer vorher auswendig gelernt zu haben. 

Um halbwegs günstig davon zu kommen, habe ich einen 7-Uhr-Hinflug genommen. 2Std vorher am Flughafen sein (lieber vorsichtig, wegen der intensiven Security Checks zur Zeit), ca. 1,5Std Anfahrt, ja, das ist verdammt früh. Also echt früh. Viel zu früh. Kurz überlegt, ob ich von Wien öffentlich auf den Flughafen fahre, was noch länger gedauert hätte, aber dann doch für ein Taxi entschieden. Geb ich halt ein bisserl mehr aus (es sollte dann noch mehr werden, weil vor kurzem eine Anonymverfügung ins Haus geflattert kam *hüstel*). Das erste Taxi-Unternehmen hat meine Anfrage abgelehnt - zu viele Fuhren um 4Uhr früh - das zweite hat sich erst mal gar nicht gemeldet. Nach Nachfrage, fragten sie nach, ob ich ev. statt um 4:30 schon um 4:15 abgeholt werden könnte. Hmpf. Noch früher. Na gut, 4:15 wäre machbar. Ich hab's auch tatsächlich auf die Minute geschafft (hier eine kurze Erinnerung an die Anonymverfügung) und sah schon den Taxler nervös auf und ab gehen: "Ich bin doch eh pünktlich, oder?" Meint er, nein. Ich wäre zu spät. Er ist total nervös, treibt mich an, die halbe Taxifahrt haben wir diskutiert, ob ich zu spät oder pünktlich wäre. Ich hab gewonnen. Chefin hat mir 4:15 geschrieben. Chefin hat ihm 4:10 aufgeschrieben. Wir haben's beide schriftlich. Chefin hat nicht dran gedacht, dass Gästin auf die Minute genau erscheint. Tja. Not my problem. Aber er war dann sehr nett und hat sich ein paar Mal bei mir entschuldigt, was ich mit einem Trinkgeld gut geheißen habe. Wir sind als Freunde auseinander gegangen.  

Viel zu früh am Flughafen. Koffer eingecheckt (für 4 Tage bei nicht so aufregendem Wetter, wollte ich auf Nummer Sicher gehen). Durch den Security Check, der problemlos rasch ablief (also dort noch - sollte sich später ändern), zum Gate, noch eine geraucht, einen deutschen Touristen davon abgehalten, um 5:30 Uhr mit mir zu flirten, hingeknotzt und gelesen. 
Hier möchte ich mal kurz die Eincheck-Abfolge der Billigflieger ansprechen. Ich verstehe nämlich ehrlich nicht, was so schwierig daran ist. Zuerst kommen die dran, die viel gezahlt haben und Kinderwägen- und Rolli-Fahrer und danach erfolgt es in Gruppen, die entweder mit Buchstaben oder mit Ziffern gekennzeichnet sind. Und logischerweise wird das Flugzeug von hinten nach vorne "aufgefüllt". Nun versteht man meist die Durchsagen des Bodenpersonals nicht, aber man kann es auf der über ihnen angebrachten Anzeigetafel nachlesen. Man sieht auf seinem Ticket nach, da steht die Gruppe (in meinem Fall auf Spanisch, aber ich habe - ohne Spanisch zu können - messerscharf geschlossen, dass "Grupo A" "Gruppe A" heißen muss) und dann wartet man, bis man dran ist. Es macht keinen Sinn zu drängeln, wenn die Gruppe noch nicht dran ist, lassen sie einen ohnehin nicht einsteigen und der Flieger wird schon nicht vor den Augen davon sausen. Also warum immer diese Hektik?! 

Endlich im Flugzeug, die Augen kaum noch offen halten können, hoffen, dass es wenigstens Snacks gibt, eingeschlafen, immer wieder hoch geschreckt, hab ich die Snacks verpasst?, wieder eingeschlafen, endlich angekommen, ohne Snacks, verdammt, doch verpasst, Koffer geholt, Richtung Öffis gerollert und schon vor dem ersten Problem gestanden: Nicht nur in Wien sind die Ticketautomaten für viele unlösbar, auch in Madrid isses nicht so leicht, wenn man U-Bahn fahren will. Man kann zwar die Sprache umstellen, aber woher zum Teufel soll ich wissen, wie viele Zonen ich brauche und warum man Zonen mit oder ohne einem Bonus nehmen soll und überhaupt?! Keine Erklärung, kein gar nix.
Kurz den Ticketautomaten der Züge gecheckt: nein, dort kann man nicht mal die Sprache umstellen. Na großartig, wie komm ich jetzt in die Stadt?!
Also einen Madrilenen gefragt, ob er Englisch spricht und mir helfen kann. Sein Englisch war eigentlich ziemlich gut, er hat nur wahnsinnig schnell und viel gesprochen und am Ende konnte ich nur raus filtern: nimm den Zug statt der U-Bahn. Was mich jetzt ein wenig unrund gemacht hat, weil ich mir in meiner Vorbereitung überlegt habe, die U-Bahn sei die richtige Wahl.
Ah, ein U-Bahn-Angestellter! Auf ihn zugesteuert, gefragt, ob er Englisch spricht: No. Und weg war er. Was zum.... ?!
Also zum Schalter für die Züge und mir von den zwei jungen Damen drinnen erklären lassen, dass ich grad den Zug verpasst hab, eine halbe Stunde auf den nächsten warten muss, welches Ticket ich kaufen muss (eines mit so einer Zusatzzahlung, weil man damit den Flughafen mitsponsern muss) und dass alles eine Stunde dauern wird. Hmpf, Grml. 


Am Atocha-Bahnhof ausgestiegen und keinerlei Orientierung gehabt, wohin ich muss. Ein paar Mal im Kreis gelaufen, bis ich die Wartehalle mit dem kleinen Regenwald entdeckt habe und endlich die richtige Straße gefunden habe. Bergauf. Und ich war schon so müde. Endlich bin ich in meinem Hostal angekommen. Mein Zimmer war noch nicht fertig, also habe ich was im Burger King nebenan gegessen, dann mein Zimmer bezogen und war mal schwer enttäuscht, weil es echt hässlich war. Das Badezimmer so klein, dass man kaum auf der Klomuschel sitzen konnte, im Bett und am Boden lagen noch Haare herum, im Bad eine große Wasserlacke - von der ich später bemerkte, dass sie vom Klo und von der Waschmuschel kam - glücklicherweise haben sie es am zweiten Tag repariert. Es gab einen Safe, den man mit einem Euro füttern musste, den man aber nicht wieder bekam, das Fenster ging auf einen Lichthof - was mir prinzipiell egal ist, in dem Fall hat es halt leider zur Summe der Unanehmlichkeiten beigetragen. Das Bett hatte ein Leintuch und eine grausliche Wolldecke zum Zudecken. Draußen war es kalt und regnerisch. Alles in allem, kein guter Start für Madrid und mich, um ehrlich zu sein. Ich war ein bisschen unglücklich. Aber was soll's, da musste ich nun durch.

Fortsetzung folgt

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