Montag, 16. Mai 2016

HimBär trifft ErdBär... und wird pudelnass

Nachdem ich endlich mein nicht so superes Zimmer bezogen hatte, in dem ich nicht so super glücklich war, hab ich mich mal ein Stündchen aufs Ohr gelegt. Ich war seit drei Uhr früh wach und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten...
In dem Stündchen habe ich leider auch das Sonnenfenster verpasst, aber das hätte eh nichts mehr zu meiner Laune beigetragen. 

Was gibt es über Madrid zu sagen? Es ist die Hauptstadt Spaniens und wie ein Bekannter so richtig ausgedrückt hat "eine künstlich geschaffene Hauptstadt". Madrid hätte aufgrund seiner Geschichte (westgotisch, arabisch, die Habsburger haben regiert, die Bourbonen) vieles an interessanter Architektur zu bieten, hat aber leider fast alles kaputt geschliffen und neu gebaut. Hätte man ein bisschen Maurisches da gelassen, wäre es schon viel interessanter, aber so... wie z.B. in Amsterdam, München oder Berlin gibt es keine "klassischen" Sehenswürdigkeiten. Was verstehe ich unter "klassischen Sehenswürdigkeiten"? Dinge, die man gesehen haben "muss/sollte". Den Eiffelturm, die Sagrada Familia, den Stephansdom, den Markusplatz, den Hradcany, die Engelsburg, die Karlsbrücke, den Tower, den Louvre, die Freiheitsstatue, Haight-Ashbury, den Park Güell, die Fontana di Trevi, die Akropolis, den Vatikan,... you get it. 
Leider ist aber Madrid als Ganzes gesehen, auch keine Sehenswürdigkeit, geschweige denn lieblich, nett, hübsch, mit besonderem Flair wie z.B. Passau oder Krumau. Ich lasse mir gerne einreden, dass man in Madrid gut leben feiern kann, aber "sehenswert", so wie ich es verstehe, ist es nicht. 
Wohingegen man sagen muss, dass die Madrilener fast durchgängig ein sehr nettes, redseliges und freundliches Völkchen sind. Ich bin kaum - bis auf den U-Bahn-Angestellten gleich bei der Ankunft - auf unfreundliche Menschen gestoßen. 

However, ich war da, ich bin los spaziert. 

Laut meinen Reiseführern sind die großen Plätze Madrids ja die sehenswertesten. Hmm... ich habe sie mir angesehen. Die meisten davon zweimal. Und ich finde sie wenig aufregend. Ich kann eben Plätzen, die rundum keine alte Architektur zu bieten haben oder wenigstens lauschig sind, nicht wirklich viel abgewinnen. Plaza Mayor ist riesig und rundum von Restaurants, Kaffeehäusern und Souvenirläden umgeben, aber sonst ist er langweilig. Plaza Puerta del Sol ist schlichtweg hässlich. Dort ist der Nullpunkt Spaniens und der Erdbär. Sonst geistern zwielichtige Gestalten umher. Plaza Espana ist auch unglaublich hässlich, v.a. wegen der größenwahnsinnigen Bauten Francos dahinter. Und warum der Plaza de Cibeles so hoch gejubelt wird, ist mir ein Rätsel. Er ist stark befahren, das dominierende Gebäude ist grauenhaft neugotisch und warum ein Brunnen der Kybele dort steht, kann tatsächlich keiner erklären. Zumindest konnte ich es noch nicht heraus finden.
Madrid hat dann noch einige Puertas/Torres, die leider so gut wie alle klassiziert oder barockisiert wurden und daher auch nicht wirklich was hergeben (und auch alle an stark befahrenen Straßen stehen). 

Der Königspalast ist leider auch Klassizismus, aber nicht aus Spaniens Schuld (sagen wir mal), weil ein Feuer im 18. Jhdt das dortige, maurische Schloss zerstört hat *seufz*. Daher neu gebaut. Gegenüber steht die neue und an Scheußlichkeit kaum zu überbietende, Kathedrale Almudena (in der Felipe und Letizia geheiratet haben). Die ist, außer riesig, gar nix. Dahinter sieht man noch ein paar einzelne Steine der einstigen, maurischen Stadtmauer und das war es dann schon mit den arabischen Hinterlassenschaften in Madrid. Da und dort gibt es ein Kircherl, deren Turm im Mudejar-Stil ist (die meisten aber nachgebaut), es gibt noch eine Straße, die dem mittelalterlichen Mauergraben folgt, auf der Gran Via stehen einige Jugendstilbauten, die interessanterweise von meinen (drei!) Reiseführern kaum erwähnt werden und dann hat Madrid noch ein paar riesige Parkanlagen, das einzige Denkmal weltweit, das dem Teufel gewidmet ist, nette Straßenschilder, einen richtigen, ägyptischen Tempel, viele Balkone und einige Museen, das bekannteste unter ihnen: der Prado. Dorthin bin ich auch am nächsten Tag geflüchtet, weil es immer noch so kalt und noch viel nasser war. Inklusive Taschenmesser im Handtascherl. Durch den Security Check. Ich vergess es halt immer... 

Am dritten Tag wollte ich eigentlich einen Ausflug nach Segovia machen. Ursprünglich wollte ich auch zum El Escorial, hab den aber dann aufgrund zu viel Museums-Charakter wieder ad acta gelegt. Dann hat mich frühmorgens etwas aufgehalten und als ich mich dann endlich aufraffen konnte, das Bett zu verlassen, war es schon Mittag. Außerdem hat endlich die Sonne geschienen. Also blieb ich noch einen Tag in Madrid und bin einfach so umher gewandert. In das eine oder andere Viertel (von dem ich froh war, dort doch keine Unterkunft gebucht zu haben) und habe mir Zeit gelassen. Ja, Madrid ist netter bei Sonnenschein, so ganz überzeugen konnte es mich aber auch in diesem Licht nicht mehr. Einmal bin ich noch nach Einbruch der Dunkelheit raus, um meine obligatorischen Nachtfotos zu machen, aber weit bin ich nicht gegangen. Einerseits war es auch Nachts nicht schöner anzusehen, andererseits waren teilweise einige zwielichtige Gestalten unterwegs. 

Am vorletzten Tag stand ein Ausflug nach Toledo am Programm. Glücklicherweise hat mir ein Freund geraten, unbedingt dorthin zu fahren und, was soll ich sagen: Danke, das hat meinen Aufenthalt gerettet! 

Fortsetzung folgt
Madrid - Teil1

Fotoalbum

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