Montag, 24. April 2017

Salzburg - Samstag

Die Sabine wurde auf eine Konferenz geschickt und dachte sich, sie hängt da Wochenende in Salzburg an. Da dachte ich, ich hänge mich auch an das Wochenende an. Und an die Sabine. Warum nicht mal wieder ein paar Tage im schönen Salzburg verbringen - Zur Abwechslung mal nicht zur Christkindlmarktzeit? Und warum nicht mit Sabine? Hat ja schon mal geklappt mit uns beiden. 

Sabine hatte schon ein "Hotel" gebucht, das durch eine wirklich tolle Lage bestach. Aber imho nur durch die tolle Lage. Ok, es war sehr günstig auch, aber ohne Frühstück und mit Gemeinschaftsbad. Also nicht nur für sie und mich. Für sie und mich und andere. Also hab ich gesucht. Natürlich ist Salzburg im Frühjahr fast ausgebucht. Im Winter auch. Und im Sommer. Vermutlich auch im Herbst. Aber ich hab doch noch was aufgetan: Goldenes Theater Hotel. 4Sterne, mit Frühstück - zwar nicht in der Altstadt, wie das Gemeinschaftsbadhotel aber auch nicht so weit von der Altstadt entfernt. Am Fuße des Kapuzinerbergs. (Was übrigens in weiterer Folge eine Art Running Gag werden sollte, da sich Sabine immer wieder bei mir vergewisserte, welcher der Berge nun welcher sei.)
Drüber gesprochen, gebucht, die anderen storniert und auf das Wochenende gewartet.

Freitag Abend wollten wir beide in Salzburg sein. Sabine etwas früher als ich. Fast hätte ich vergessen, Tickets für die Westbahn zu buchen. Doch noch dran gedacht. Reservierung brauche ich diesmal keine, letztes Mal waren ja auch so viele Plätze frei. Letztes Mal war allerdings im Winter 2014. Das hatte ich verdrängt. Fast keinen Sitzplatz bekommen, weil offenbar alle am Freitag Abend nach Linz oder Salzburg mit der Westbahn gondeln.
Schon in der Früh wurde von einem Kabelbrand in Linz berichtet, der mich tagsüber noch beschäftigen sollte, da Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde und meine Ankunft in Salzburg sehr verzögern würde. Aber so ca. 2 Stunden bevor ich fahren wollte, war alles wieder repariert.
Trotzdem hat der Zug gleich mal 10min Verspätung und kommt 15min zu spät in Salzburg an. Im Zug einen Sitzplatz ergattert (ich gebe zu, mit ein bisschen Ellbogen- und Köffercheneinsatz). Neben mir ein junger Mann, der sich dafür entschuldigt, Nudeln mit echt stark riechendem Parmesan zu essen. Boah, hab ich Hunger.
So viele Menschen im Zug und trotzdem war die Hinfahrt weitaus leiser, als die Rückfahrt, aber dazu später. Kopfhörer rein, Reiseführer aufgeschlagen (derer zwei, beide schon gelesen, aber sicher ist sicher) und weil mir ein bissl fad ist, die Twitter-Gemeinde mit Salzburgfakten versorgt. Und trotzdem keinen Follower verloren.

Yeah, wir sind endlich angekommen. Sabine holt mich ab. Wie süß. Laut Hotel, sollte der Bahnhof nur 10min Fußweg entfernt sein. Hin waren es ein bissl mehr. Naja, wir sind auch müde und Sabines Navi kann sich nicht so recht entscheiden, ob es uns links, rechts oder doch wieder retour schicken wollte.
Boah, hab ich Hunger.

Gleich um die Ecke vom Hotel hat Sabine einen Inder entdeckt, in den wir einfallen. Wir wollen uns setzen, müssen aber noch warten, bis das Pärchen nebenan verstaut wurde. Das hat alles ein bisschen gedauert. Aber es hat uns Zeit gegeben, uns umzusehen, festzustellen, dass es zwar kitschig, aber irgendwie niedlich eingerichtet und dekoriert ist und außerdem ziemlich viele Inder unter den Gästen waren. Ein gutes Zeichen, wie wir feststellen. Endlich durften wir auch. Gleich mal einen Cocktail bestellt und Essen auch, beides kommt ziemlich schnell und ist echt gut. Den Inder können wir nur empfehlen. Schade, dass er keine Dependance in Wien hat.

Es ist schon spät, wir sind die letzten Gäste, also doch endlich ins Hotel. Rauf ins Zimmer und gleich mal die Minibar geplündert. Manna Schnitten für uns, Bier für Sabine, Wein für mich. Heizung abgedreht. Fenster gekippt. Die Fernbedienung für Elderlies bewundert. Geplaudert, geduscht und ins Bett gegangen. Zweibettzimmer hab ich angeklickt. Doppelbettzimmer war's dann. Naja, würde ich auch überleben.


Frühstück war bis 10:30 Uhr. Gesessen sind wir dort bis 11:00 Uhr. Kein Stress. Urlaub. Die Auswahl war sehr in Ordnung. Und es gab Speck und Eierspeise. Für mich steht und fällt ein Urlaub ja mit Frühstücksspeck (ja, ich war in Istanbul sehr enttäuscht). Und sie haben bis zum Ende (also bis 10:30) immer brav nachgefüllt. Einziges Manko: der Speck ist im Fett oder Öl geschwommen. Und zwar wirklich geschwommen. Das war nicht einfach nur eine kleine Schicht Fett, sondern locker 2cm tief. Muss ich ihn eben immer abtropfen lassen, bevor er am Teller landet. Hat mich aber nicht abgehalten, immens viel davon zu essen.
Außer Speck gab's noch Wurst, Käse, Marmeladen, Nutella, Müslis, Toast, Kuchen, Semmerl, Brot, Weckerl, Gemüse,... also an Auswahl mangelte es wirklich nicht. Der Kaffee war leider ziemlich scheußlich.

Nun gut, fertig gefrühstückt, wieder ins Zimmer, fertig machen für den Tag, Kamera einpacken, solche Dinge. Kein Stress, wir haben Urlaub. Es klopft an der Tür, Sabine öffnet. Drei junge Mädchen stehen vor der Tür und fragen, ob wir Zimmerservice benötigen. Ich antworte, ob sie in einer Stunde wieder kommen könnten, Sabine meint in einer halben (na gut, muss ich mich doch beeilen), sie antworten: "Eigentlich wollen wir nur fragen, ob sie frische Handtücher brauchen, weil mehr machen wir eh nicht." Hä? Wir schauen uns groß an. Es wird nicht durchs Bad gewischt? Betten gemacht? Staub gesaugt? Wir sind doch in einem 4Sterne-Hotel (zumindest bin ich sicher, dass es das war, was booking mir gesagt hat)? Wir sind beide perplex. Ich sag noch, wir bräuchten keine Handtücher, Sabine will dann aber doch welche, wenn sie sonst schon nix machen. Also geht sie ihnen hinterher und fragt nach frischen Handtüchern. Bei der Gelegenheit drücken sie ihr auch gleich ein frisches Mistsackerl in die Hand. Müssen wir den Mist jetzt auch selbst entsorgen? Leider sind wir tatsächlich zu überrumpelt, um die Mädels das wirklich zu fragen. Aber immerhin sorgt es für viel Gelächter bei uns.

Wir sind dann endlich mal los und gleich mal in den ersten Friedhof ums Eck eingefallen. Sebastiansfriedhof. Dort liegt die Familie Mozart (excl himself) begraben und es gibt ein Denkmal für Paracelsus. Es ist ein wirklich hübscher Friedhof mit Steinkreuzen, eisernen Kreuzen, kleinen Sarkophagen,... In der Mitte steht die Gabrielskapelle, das Mausoleum für Fürsterzbischof Wolf Dietrich, innen bunt verfliest. Locker mehr als eine Stunde haben wir dort fotografierend verbracht.



Weiter gehts, Richtung Altstadt am linken Salzachufer. Die Neustadt bzw. Alstadt am rechten Ufer, haben wir ausgelassen. Da gibt es zwar auch das eine oder andere, aber nichts wirklich Wichtiges. An der Brücke wird Halt gemacht, um die obligatorischen Postkartenmotive zu fotografieren, dann in die Getreidegasse mit ihren Schildern. Die Getreidegasse ist außerdem berühmt für ihre Passagen, Durchgänge und Innenhöfe.
Sabine telefoniert mit Felix, den wir nach einigem Hin und Her auch finden. Der Plan ist, keinen Plan zu haben. Zumindest für die zwei. Ich hab mich damit abgefunden, dass ich nicht viel Kultur mache. Aber ich kenne Salzburg ja schon ein bisschen. Wir wandern zu Dritt weiter durch die Getreidegasse, dann zum Dom, werfen einen Blick hinein und beschließen, auf ein bis mehrere Bier zu gehen. Die nehmen wir im Gastgarten des
Stieglkeller ein, mit einer wirklich wunderbaren Aussicht auf Salzburg. Unten ist eine laute und volkstümliche Geburtstagsfeier im Gang (incl Lederhosen und Dirndl) über uns trutzt die Festung Hohensalzburg (und schießt um ca. 17:00 Uhr an die fünf Kanonen ab, die mir fast einen Herzkasperl bereiten) und neben uns sitzen Gäste mit zwei Hunden, mit denen wir uns dann anfreunden (mit den Hunden). Nach ca. 2 Stunden steigen wir doch endlich wieder hinab (die Festung wird auf morgen verschoben) und gehen noch rasch durch den Petersfriedhof - einer der zwei ältesten Friedhöfe Salzburgs. Bekannt dafür, dass er direkt neben dem Mönchsberg steht und für seine schmiedeeisernen Kreuze. Dort kann man auch in die sogenannten Katakomben gehen (für lächerliche 2 Euro), die als frühchristliche Begräbnisstätte und Versammlungsort dienten und in den Mönchsberg gehauen sind. Dafür sind wir aber leider zu spät dran. Als wir den Friedhof verlassen, wird hinter uns zugesperrt.

Wir wandern an den Festpielhäusern vorbei, in Richtung Blasiuskirche. Dahinter befindet sich der Aufzug - ja, wirklich Aufzug! - auf den Mönchsberg. Oben befindet sich das Museum der Moderne (eines von zweien in Salzburg) und das Restaurant M32. Von dort oben möchten wir Nachtfotos von Salzburg machen. Aber zuvor muss ich noch aufs Klo. Also frage ich eine der beiden jungen Damen: "Habt ihr ein Klo? Also natürlich habt ihr ein Klo, aber darf ich es auch benutzen?" Sie haben eines. Und ich darf. Außerdem findet sie mich lustig. Ist ok.
Danach gehen wir zu einem Aussichtspunkt mit Bankerl und warten den Nachteinfall ab. Und schießen Fotos. Viele Fotos. Ganz viele Fotos. Es ist fast Vollmond und Sabine macht ganz tolle Fotos mit Festung und Fast-Vollmond. Wir verbringen auch dort sehr viel Zeit. Wenn Sabine und ich einmal zu fotografieren beginnen, können wir uns damit stundenlang ruhig nebeneinander beschäftigen.



Schlussendlich wird uns doch kalt und wir haben Hunger. Felix erzählt was von einem Lokal im Stadtviertel Mülln. Er führt uns hinunter, leider ist das Lokal zu. Ein anderes übervoll und so landen wir - durch Twitter-Empfehlung und durch real-life-Empfehlung vor Ort - im Augustinerbräu. Sabine und Felix sind schwer begeistert. Ich eher nicht so. Mich überfordert das riesige Areal. Außerdem bin ich wirklich schon sehr müde. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich vermutlich auf das Abendessen verzichtet. However, ich bekomme ein Bier - so viel Bier wie in Salzburg, trinke ich in einem ganzen Jahr nicht - und mach mich auf die Suche nach Essen. Da ist so eine Fressmeile, wo man normalerweise einiges aussuchen kann, aber es ist schon spät, also gibt es nicht mehr so viel. Leberkäse mit Kartoffelsalat. 

Zwischendurch gehe ich raus, für eine Zigarette und darf dabei beobachten, wie ein junger Mann von drei Bräu-Mitarbeitern raus geworfen wird. Und zwar wirklich fast geworfen. U.a. die Stiegen fast hinunter. Sie schreien ihn an, er soll das Haus verlassen und brüllen, was er glaubt, wer er sei. Leider lässt sich nicht herausfinden, was er angestellt hat. Aber so böse, wie die drei sind, muss es schlimm gewesen sein.
Irgendwann gehen wir auch, verabschieden uns von Felix und machen uns auf den Weg Richtung Salzach. Hinter uns eine Menge junger, stark betrunkener Jugendlicher.
Über die Brücke und am linken Ufer langsam zurück Richtung Hotel. Dazwischen noch ein weiterer Fotostopp. Salzburg mit der Festung gibt einfach das ultimative Fotomotiv her. Egal wo man steht, man glaubt immer, die Festung nochmal fotografieren zu müssen, weil sie aus dem Winkel noch cooler aussieht und am Ende steht man mit gefühlten 2.543 Fotos der Festung da und fragt sich, was einen da geritten hat (so in etwa ging es mir auch in Cornwall mit den Felsen und Klippen am Meer - am Ende hatte ich 200 Fotos von Steinen).

Wir haben es endlich zurück geschafft - es ist nicht immens lang, aber lange, wenn man eh schon müde ist. Die Minibar haben wir Minibar sein lassen - aufgefüllt wurde sie ohnehin nicht und sind einfach nur noch ins Bett gefallen.

Salzburg - Teil2

Fotoalbum folgt!

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